Korrespondenzblatt 2003 Heft 2, S.83-85

Schwanger. Verzweifelt.
        Angst vor Entdeckung.
                Und jetzt?

Am 17. Juni 2003 startete der SkF Wiesbaden die lange vorbereitete Aktion „Moses Wiesbaden" mit einer eindrucksvollen Eröffnungsfeier. Dr. Ingrid Abel, 1. Vorsitzende, konnte zahlreiche Ehrengäste begrüßen, darunter Herrn Ordinariats­rat Hanno Heil, Herrn Stadtdekan Ernst-Ewald Roth, die Stadtver­ordneten­vor­steherin, den Sozialdezernenten, den Polizeipräsidenten von Westhessen, Ver­treterinnen und Vertreter des Hessisehen Sozialministeriums, der Städtischen Ausschüsse für Gesundheit und Frauen, des Standesamtes, der Wiesbadener Staatsanwaltschaft und des Familiengerichts sowie Repräsentanten der neun Kooperationspartner.

Dorothea Gruß, Kinderärztin und 2. Vorsitzende des SkF Wiesbaden, stellte das Konzept der Aktion Moses Wiesbaden vor.

Die Zielgruppe sind verzweifelte Frauen, welche eine Schwangerschaft austragen und in Angst vor Entdeckung leben.



Die Schwangerschaft wird verheimlicht, verdrängt oder ignoriert. Die zentralen Anliegen der Aktion Moses Wiesbaden sind die frühzeitige Kontaktaufnahme mit der Schwangeren, ihre psychosoziale Beratung und gegebenenfalls das Ermöglichen einer vertraulichen Geburt. Der Mutter sollen Wege für ein gemein­sames Leben mit ihrem Kind aufgezeigt werden; ist dieses nicht möglich, wird eine reguläre Adoption angestrebt. Der Wunsch der Frau, dass ihr soziales Umfeld nicht von Schwangerschaft und Geburt erfährt, wird respektiert und durch eine vertrauliche Geburt ermöglicht; gleichzeitig soll dem Kind die Chance gegeben werden, Näheres über seine Herkunft zu erfahren.

Die Umsetzung der Aktion Moses Wiesbaden ist nur durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Kooperationspartner möglich: eine 24-Stunden-Telefon-Hotline wird durch die Zusammenarbeit mit dem SkF e.V. Mainz und der Telefonseelsorge Mainz-Wiesbaden e.V. sichergestellt; ebenso besteht eine Kooperation mit dem SkF e.V. Frankfurt, dessen Werbematerialien für das Wiesbadener Projekt modi­fiziert werden konnten; die vertrauliche Geburt, einschließlich Vor- und Nachsorge wird durch die Asklepios Paulinen Klinik in Wiesbaden ermöglicht, welche ggf. die Kosten der Entbindung übernimmt. Sollte das (nicht beworbene!) Angebot einer Arm-zu-Arm-Übergabe genutzt werden, stehen im JHZ Johannes­stift fachkundige Helferinnen und Helfer rund um die Uhr zur Verfügung. Die Wiesbadener Kinder­klinik setzt im Bedarfsfall den Baby-Notarzt-Wagen ein. Sollte es zu einer Adoption kommen, arbeitet der SkF mit dem Jugendamt der Stadt Wiesbaden zusammen; das Haus des Lebens e.V. Viernheim bietet betroffenen Frauen unbürokratisch und verschwiegen einen Schutz und Lebensraum an; ein Rechtsanwalt und Notar steht für eine Beratung der Schwangeren und Mutter zur Verfügung und verwahrt ggf. von der Mutter hinterlegte Materialien.

Ohne das Engagement und die Tatkraft von ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen wäre die Aktion Moses Wiesbaden nicht zustande gekommen. Stellvertretend für alle Aktiven wurden Rosemarie Bürger, Dienststellenleiterin, und Ingrid Lichter, Projektleiterin, auf der Eröffnungsfeier besonders hervorgehoben. Die Feier schloss mit einem Umtrunk und Imbiss, ausgerichtet durch den „Josti-Party-Service" des Jugendhilfezentrums Johannesstift GmbH, einer Einrichtung des SkF Wiesbaden.

Interessierte finden weitere Informationen unter www.skf-wiesbaden.de im Internet.

Dorothea Gruß

 

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Stand: 17.10.2011