100 Jahre
Johannesstift Wiesbaden
Sozialdienst katholischer Frauen

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Wolfgang Schmidt
Die aktuelle Erziehungshilfepraxis

In einer lebendigen Jugendhilfeumwelt ist die Ver­änderungsbereitschaft der in der Institution wir­kenden Kräfte Grundvoraussetzung für die lang­fristige Sicherung der fachlichen Bemühungen.

Die in dieser Festschrift eindrucksvoll ge­schilderte Geschichte des Johannes­stiftes weist aus, dass es hier immer Menschen gab, die sich den aktuellen Heraus­forderungen stellten, die die Kraft zum Aufbruch, zum Neubeginn und für die dynamische Ausrichtung in die Zukunft aufbrach­ten.


Eröffnung der Wohngruppe Sonnenberg
(Bildnachweis: Wolfgang Kühner)




In dieser Tradition stehend, prägen wir unsere Epoche mit den drei Sparten
     ▪ Sozialpädagogische Hilfen
     ▪ Schulische Bildung und
     ▪ Berufliche Bildung.

Alle Hilfearten sind aufeinander abgestimmt. Damit werden wir dem in unserer Satzung formu­lierten Anspruch, das gesamte Spektrum sozialer und karitativer Aufgaben abdecken zu können, Tätigkeiten auf dem Gebiet der freien Kinder- und Jugendhilfe aber durchführen zu sollen, voll ge­recht.

Arbeitsfeld „Sozialpädagogische Hilfen"

Seit 100 Jahren unverändert dient das Johannes­stift Kindern und Jugendlichen als Zufluchtsstätte, um erlittene Schäden zu überwinden und zu befürchtende Beein­trächtigungen zu verhindern. Wir gebrauchen heute eine andere Wortwahl, die Schutzfunktion der stationären Erziehungshilfe ist aber auch in der modernen Gesellschaft nicht wegzudenken.


Eröffnung der Wohngruppe Bierstadt
(Bildnachweis: Uwe Stotz)




In sieben Wohngruppen/Erziehungshilfesta­tionen und einem Haus für Mütter/Väter und deren Kinder stellen wir differenzierte Wohn­möglichkeiten in sachgerechter Ausstattung zur Verfügung. Im Wiesbadener Vorort Erbenheim praktiziert ein Pädagogenehepaar eine Lebens­gemeinschaft mit bis zu fünf Kindern, die aus unterschiedlichen Gründen nicht bei ihren Eltern leben. Hier hatte viele Jahre lang auch ein geistig behindertes Kind sein Zuhause. Die Großfamilie ist voll in das kulturelle Leben im Stadtteil inte­griert.


Mitarbeiter des Jugendhilfezentrums Johannesstift
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Wohngruppen für Mädchen unterhalten wir im Haupthaus, in der Innenstadt und im Wiesbade­ner Vorort Sonnenberg. Sie unterscheiden sich durch Gruppengröße und Betreuungsstruktur. Die in den vergangenen Jahren gestiegene Nach­frage nach Plätzen für junge Menschen mit psy­chotischen, Borderline- oder psycho­somatischen Störungen befriedigen wir in einer intensiv ar­beitenden Wohngruppe mit mindestens neun Plätzen, deren Mitarbeiterinnen über diverse einschlägige Zusatzqualifikationen verfügen. Hier profitieren wir noch von den Erfahrungen mit der Einzelbetreuung, einem äußerst wirkungsvollen Angebotsfeld in den 80er Jahren, das wegen seiner vermeintlich hohen Kosten bedauerlicher Weise dem Sparzwang der kommunalen Kosten­träger zum Opfer fiel. Auch in unserer Mädchen­wohngruppe mit mindestens sieben Plätzen im östlichen Stadtteil Sonnenberg wird Betreuung über Tag und Nacht praktiziert. Jugendlichen, die nicht mehr in der eigenen Familie leben können, wird von den professionellen Bezugspersonen eine aufrichtige und respektvolle Beziehung angeboten. Darüber wird Vergangenheitsbewältigung gefördert und Zukunftsfähigkeit erlernt. In unserer seit 1979 arbeitenden Innenstadtwohngruppe, damals unter dem Namen Verselb­stständigungs-gruppe unser erster Dezentralisierungsschritt, wird bei den in der Regel fünf Bewohnerinnen besonders stark auf Selbstregulierung gesetzt. Die pädagogischen Fachkräfte bieten situations­angemessene Präsenz an.


Pädagogische Leitung und Verwaltung
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Für unsere drei geschlechtsgemischten Wohn­gruppen in den Vororten Rambach, Bierstadt und Biebrich/Schierstein stehen geräumige Häuser mit stark binnen­differenzierter Wohnstruktur für die in der Regel neun Bewohner(innen) zur Ver­fügung. In allen Teams arbeiten erfahrene und belastbare pädagogische Fach­kräfte mit den Me­thoden der Gesprächsführung, der Transaktions­analyse und familientherapeutischen Ansätzen. Das Aushandeln gegenseitiger Achtungsregeln und strukturiertes Verselbstständigungstraining stellen die Basiselemente des Betreuungsange­botes dar.


Wohngruppe Rheinstraße
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Erbenheim
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Rambach
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Sonnenberg
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Ellinor
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Bierstadt
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Wohngruppe Wörthersee
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Baby-Massage
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)





Vater-Mutter-Kind-Gruppe
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




In unserem in den letzten Jahren generalsa­nierten Mutter-Vater-Kind-Haus bieten wir zwölf großzügig bemessene Wohneinheiten an. Päda­gogische Fachkräfte sind an 365 Tagen und Näch­ten im Jahr präsent, um sich jederzeit regulierend einer Klärungsnotwendigkeit zuwenden zu kön­nen. Für die Bewohnerinnen und Bewohner wird ein ausgeklügeltes Elternkompetenztraining ange­boten. Damit tragen wir der fachlichen Forderung nach Vermittlung von frühkindlichen Erforder­nis­sen an eher bildungsferne Personen Rechnung. Es gibt Entlastung für die jungen Eltern in Krisen­situationen, eine möglicherweise beabsichtigte Inpflege­gabe eines Kindes wird begleitet und per­sönliche Nachreifeprozesse gezielt gefördert.

Insgesamt stellen wir in unserem Arbeitsfeld „sozialpädagogische Hilfen" 66 stationäre Plätze bereit. Bei starker Nachfrage sind wir in der Lage, kurzfristig aufzustocken.

Jeder Einzelverlauf wird evaluiert. Dieser selbst gewählte Aufgabenschwerpunkt wird von einem renommierten Institut wissenschaftlich begleitet. Durch den deut­lichen Schwerpunkt auf Beobach­tung von Wirkfaktoren im pädagogischen Prozess ist es uns möglich, Aussagen über die Ergebnisse der pädagogischen Bemühungen zu treffen. Dieser ehrliche Nachweis dient der Transparenz gegen­über den Leistungsberechtigten und der Rechtfertigung gegenüber dem Kosten­träger. Die bisher nachgewiesenen Erfolge unserer Bemü­hungen dienen als Ansporn, die ständig neuen Herausforderungen mit Zuversicht anzugehen.


Kurt Hubl und Frank Deubel mit den Schülern und Schülerinnen der Agnes-Neuhaus-Schule
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Seit 1988 ist dem Johannesstift von der Lan­deshauptstadt Wiesbaden die Auf­gabe übertragen worden, Kinder und Jugendliche von 12 bis 18 Jahren außerhalb der Dienstzeiten des Jugend­amtes zur Behebung von Notsituationen aufzu­nehmen. Für diese so genannte Inobhutnahme stehen permanent zwei Plätze in der Einrichtung zur Verfügung.

Die Abteilung wird von Anita Ungeheuer-Eicke und Doris Schulz, zwei ausgewie­senen Fachkräf­ten, die seit 1979 und 1980 in verschiedenen Funktionen im Johan­nesstift tätig sind, umsichtig und verantwortungsvoll geleitet.

Arbeitsfeld „Agnes-Neuhaus-Schule"

Nach zwölfjähriger Bewährung als staatlich ge­nehmigte Ersatzschule wurde die nach der SkF-Gründerin benannte Schule für Erziehungshilfe und Kranke im November 1995 staatlich aner­kannt. Der Zugang in die kleinste Wiesbadener Schule ist mit einem Versetzungszeugnis in die 8. Jahrgangsklasse möglich. In dieser Schule mit besonderer pädagogischer Prägung kann der Haupt- bzw. Real­schulabschluss erlangt werden. Mit ihren umfangreichen und differenzierten Hil­fen, der Rücksichtnahme auf besondere Schü­lerschwierigkeiten, der speziellen Defizitaufarbei­tungsprogramme und der Förderung der prak­tischen Anlagen der Schüler passt sich die Schule in die Bemühung um Stabilisierung gehandicap-ter junger Menschen im Johannesstift ein. Sie steht für Kompetenz und Fachlichkeit in einem Feld, mit dem junge Menschen, wenn sie zu uns kommen, häufig bereits abgeschlossen hatten. In den mittlerweile zwölf Jahren ihres Wirkens als staat­liche anerkannte Schule erreichten mehr als 200 Schülerinnen und Schüler einen Haupt- oder Realschulabschluss.

Seit ihrer Gründung im Jahr 1983 leitet Kurt Hubl die Agnes-Neuhaus-Schule.

Arbeitsfeld „Berufliche Bildung"

Auch in diesem Sektor verfügt das Johannesstift über eine jahrzehntelange Tradition. Die Regiebe­triebe des Hauses standen in der Nachkriegszeit Jugend­lichen, die den Anforderungen auf dem freien Arbeitsmarkt nicht gewachsen waren, für eine qualifiziert angeleitete Förderung zur Ver­fügung. Sofern die jungen Menschen nach Ab-schluss der Freiwilligen Erziehungshilfe oder Für­sorgeer­ziehung, wie die Rechtsgrundlagen zu Zeiten des Jugendwohlfahrtsgesetzes genannt wurden, Kontakt zu der Einrichtung hielten, ver­fügen wir durch unge­ordnete Beobachtungen tendenziell über die Rückmeldung, dass sich die beruf­lichen Integrationschancen durch die erfah­rene Förderung deutlich verbessert haben.

Seit Beginn der 80er Jahre wurden die Be­triebe sachgerecht ausgestattet und bieten nun Ausbildungsplätze in zwölf anerkannten Berufen an. Die Berufsvorbe­reitung erfolgt in den Schwer­punktfeldern „Kulturwerkstatt" und „Arbeitserpro­bung".

Berufsfeld Bäcker/in

Eine Bäckerei bietet bis zu 200 verschiedene Brot­sorten und Brötchen, Brezeln, Kuchen, Torten und Dauerbackwaren an. In diesem Ausbildungsgang wird der handwerklich-traditionelle Charakter ge­pflegt. Ein großer Teil der anfallenden Tätig­keiten erfolgtauch heute noch in Handarbeit. Geschick­tes, zügiges Arbeiten und die Fähigkeit zu einem frühen Arbeitsbeginn werden in dem dreijährigen Aus­bildungsgang trainiert und gefördert.

Berufsfeld Koch / Köchin und Beikoch / Beiköchin

Die verantwortungsvolle und abwechslungsreiche Arbeit mit Lebensmitteln erfolgt überwiegend im Stehen. Zwingend erforderlich ist die Bereit­schaft zur Arbeit an Sonn- und Feiertagen und am späten Abend. Körperliche Belastbarkeit, Kreativi­tät bei zum Teil hoher Arbeitsgeschwindigkeit und der Umgang mit Fachausdrücken in französischer Sprache werden nach absolvierter Ausbildung vorausgesetzt.


Bäckerei, Schneiderei, Küche, Gärtnerei, Hauswirtschaft, I Gastronomie, Maler/Lackierer
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Berufsfeld Hauswirtschafter/in und Helfer/in in der Hauswirtschaft

Die abwechslungsreiche Tätigkeit zielt ab auf die Bedürfnisse von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen. Hauswirtschaftliche Dienst­leistungen werden in Freizeiteinrichtungen, Groß­haushalten, in sozialen Einrichtungen für kranke, alte und behinderte Menschen sowie in Tagungs­stätten erbracht. Organi­sationsfähigkeit, sozial adäquate Umgangsformen und Selbstständigkeit bei der Erledigung der Dienstleistungen werden in diesem Ausbildungsgang trainiert.

Berufsfeld Fachkraft im Gastgewerbe

Das sehr kundenorientierte Berufsbild setzt ein gutes äußeres Erscheinungsbild voraus. Die Be­reitschaft zur Übernahme von Wochenend-, Fei­ertags- und Abend­diensten, das Einfühlungsver­mögen für Kundenwünsche, die Selbstständigkeit und die körperliche und seelische Belastbarkeit sind Inhalt des zweijährigen Aus­bil­dungsgangs. Danach kann in einem weiteren Jahr in Koope­rationsbetrieben eine Ausbildung zur Hotel- oder Restaurantfachkraft absolviert werden.

Berufsfeld Maler und Lackierer/in und Bau- und Metallmaler/in

In diesem Beruf wird durch Farbe zur Verschöne­rung und zum Schutz von Gebäuden, Räumen und Einrichtungsgegenständen beigetragen. Das geschieht durch Streichen und Tapezieren, Ver­legen von Fußböden und Auftragen von Putzen. Von den Auszubildenden wird körperliche Be­lastbarkeit, Schwindelfreiheit und Allergiefreiheit gegenüber Staub und Lösungsmitteln gefordert. Umstellungs­fähigkeit auf wechselnde Herausfor­derungen, Kreativität und Farbsicherheit wird in der Ausbildung gefördert.


Ausstellung der Kulturwerkstatt im Roncalli-Haus
(Bildnachweis: Friedrich Windolf)





Berufsfeld Maßschneider/in

In diesem klassischen Handwerksberuf wird gegen die Verdrängung der Hand­arbeit durch Massenfertigung für die Stange gearbeitet. Neben Änderungen werden auch Spezialfertigungen für Theater, Trachten u.ä. vorgenommen. Hand­werk­liches Geschick ist Grundvoraussetzung. Sorgfalt, Geduld, Gefühl für Formen, Farben und Materi­alien werden trainiert.

Berufsfeld Gärtner/in

In Zierpflanzenbetrieben weiß man eine Menge vom Lebensrhythmus der Pflanzen und Blumen.

Es wird gelernt, mit technischen Mitteln den Le­benslauf der Pflanzen zu beein­flussen.

Zur Ausübung des Berufes sind die Bereit­schaft zum Erlernen botanischer Fach­ausdrücke in lateinischer Sprache, eine gute Beobachtungs­gabe und das Gefühl für die Lebensbedingungen von Pflanzen unerlässlich.

Berufsvorbereitung in der Kulturwerkstatt

Ein ungewöhnlicher Einstieg in das Berufsleben: Durch Beschäftigung mit künst­lerischen Medien werden die gestalterischen und motorischen Fä­higkeiten ge­schult. Es wird gelernt, in einer Gruppe unter Anleitung zu arbeiten. Mit steigender Belast­barkeit werden Betriebspraktika eingestreut.

Berufsvorbereitung mit Arbeitserprobung

Dieser Einstieg in die Berufswelt erfolgt über die Vermittlung von Grundtechniken, die zu einer eigenständigen Haushaltsführung notwendig sind, insbesondere Nahrungszubereitung, Wäsche­pflege und -instandhaltung, Hausreinigung, ein­fache Renovierungsarbeiten, Säuglingspflege usw. Auch die Vermittlung von Grundwissen im Umgang mit Behörden ist Inhalt des Alltagstrai­nings.

In jedem Jahr erlangen mehr als 50% der jungen Menschen, die eine Ausbildung bei uns begonnen haben, einen qualifizierten Abschluss. Von denjenigen, die bis zur Abschlussprüfung durchhalten, reüssieren mehr als 90%. Die meis­ten be­nutzen das erworbene Zertifikat zum Ein­stieg in einen Beruf, viele aber auch als wertvolle Bestätigung auf dem Weg in eine neue Lebens­planung.


Tagung des Landesheimrates
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Qualifizierende Beschäftigung in Arbeitsgele­genheiten

Mit Inkrafttreten des Sozialgesetzbuches II am 1. Januar 2005 sollen Arbeits­losen­geld II bezie­henden Menschen Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwands­entschä­digung angeboten werden (Stichwort: fördern und fordern). Die Arbeitsge­le­gen­heiten müssen zusätzlich und gemeinnützig sein. Im Johannesstift bieten wir im Einverneh­men mit der kommunalen Arbeitsagentur 50 Ar­beitsgelegenheiten an, in denen die Teilnehmer/ innen eine berufliche Qualifizierung erfahren.

Nachdem die langjährige Ausbildungsleiterin Ingeborg Steffen im Sommer 1999 in den Ruhe­stand getreten war, wurde die Leitung der Abtei­lung Jürgen Hamdorf übertragen, der zuvor neun Jahre lang als sozialpädagogischer Betreuer der Beruf­lichen Bildung wirkte.

Partizipation

Der Hessische Sozialminister hat am 12.6.1972 die Richtlinie „Grundrechte und Heimerziehung" erlassen. Darin wurde erstmals die Mitwirkung von Minderjährigen bei allen sie betreffenden Entscheidungen im Heim geregelt. Seit 1980 wird die institutionelle Kinder- und Jugendvertre­tung im Johannesstift durch den Heimrat wahr­genommen. Ein paar Jahre später wurde die Ausbildungsvertretung etabliert. Auf der Grund­lage der für diese Gremien verabschiedeten Sat­zungen finden stets angeregte Diskussionen in der Einrichtung über die Gestaltung von Wohnen, Leben und Arbeiten statt. Einmal im Jahr findet eine vom Landesjugendamt mit den hessischen Heimratsberatern organisierte Veranstaltung über Mitbestim­mungs- und Mitwirkungsrechte junger Menschen in Erziehungshilfeeinrichtungen statt. Wir beteiligen uns an Durchführung und Organi­sation. Die Verwaltungsarbeit für den hessischen Landesheimrat wird von Auszubildenden für den Beruf der Bürofachkraft in unserer Einrichtung durchgeführt.

Sozialpolitische Aktivitäten

Auf Bundesebene beteiligen wir uns im Bundes­verband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen e.V. (BVkE) an der Mitge­staltung der Sozial- und Gesellschaftspolitik. Über die aktive Mitarbeit im Verbandsrat und in Ausschüssen transportieren wir die Forderung nach am individuellen Hilfebedarf orientierter, fachlich vernetzter kompetenter Leistung für junge Men­schen und deren Familien. Im Fachbeirat des Bundesverbandes für Erziehungshilfe e.V. (AFET) pflegen wir den fachlichen Erziehungshilfedialog. Die Aktivitäten im Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) erstrecken sich schwerpunktmäßig auf den Ausschuss „Kinder- und Jugendhilfe" und die Arbeitsfelder „Gemeinsame Wohnformen für Mütter/Väter und deren Kinder" und „Jugendso­zia larbeit".


Ausstellung der Kulturwerkstatt bei der R+V-Versicherung
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)




Auf Landesebene ist die Caritas-Landesarbeits­gemeinschaft (Clag) das zentrale Fachgremium. Das Johannesstift ist mit seinen Repräsentanten in Vorstand, Delegiertenversammlung und Fach­arbeitskreisen vertreten. Die Liga der freien Wohl­fahrtspflege in Hessen e.V. zielt auf die Schaffung menschengerechter sozialer Verhältnisse. Es ist selbstverständlich, dass wir diese Forderung durch aktive Mitarbeit in einem Facharbeitskreis unterstützen. In der Hessischen Jugend­hilfekom­mission werden Vereinbarungen über die Ausge­staltung der „Rahmenver­ein­barung für die Gestal­tung der Einzelvereinbarungen über Leistungsan­gebote, Qualitätsentwicklung und Entgelte nach den §§ 78a ff SGB VIII" getroffen. Wir sind stolz darauf, diesen von gegenseitiger Achtung getra­genen Prozess von öffent­licher und freier Wohl­fahrtspflege für die gemeinsam verpflichtende Aufgabe mitgestalten zu dürfen.

Auf örtlicher Ebene wird im Jugendhilfeaus-schuss mit seinem Fachausschuss „Jugendhilfe­planung" um die bedarfsgerechte Ausgestaltung auf notwendige und geeignete Kinder- und Ju­gendhilfe gerungen. Hier wie in den Arbeitsge­mein­schaften „Erziehungshilfe" und „Jugendbe­rufshilfe" nach § 78 SGB VIII arbeiten wir mit an Grundsatzentscheidungen für eine kinder- und jugendfreundliche Stadt.

Kultur

Eine Erziehungshilfeeinrichtung wirkt im Ge­meinwesen der Gebietskörperschaft. In ihr leben Menschen mit oft erstaunlichen Fertigkeiten. Im Johannesstift haben wir es uns zur Aufgabe ge­macht, künstlerische Potentiale zu fördern. Die so geho­benen Schätze verstecken wir nicht, sondern präsentieren bei sich erge­benden Möglichkeiten die Produkte der Arbeit in Chor, Theater oder Bild­hauerei in der Öffentlichkeit.


Oben: Chorauftritt im Rahmen des Sommerfestes
(Bildnachweis: Johannesstift Wiesbaden)
Unten: Theatergruppe „Comedia Caotica“
(Bildnachweis: Paul Müller)




Sport

Zum ganzheitlichen Förderkonzept gehören auch körperbetonte Aktivitäten. Seit vielen Jahren be­teiligt sich eine Tischtennismannschaft an Be­triebssportrunden in der Region und pflegt Sportfreundschaften außerhalb der Einrichtungsgren­zen. Die besonders agile Laufgruppe betätigt sich ebenfalls im Betriebssport und nimmt im April jeden Jahres am Freundschaftslauf der Wiesbade­ner Justizvoll­zugs­anstalt teil. Viele Pokale, platziert an häufig frequentierten Plätzen im Johan­nesstift, erinnern an die errungenen Erfolge und dienen Neueinsteigern als Motiva­tionshilfe, sich im Kreis von Gleichgesinnten zu bewegen. Als Einstieg besonders geeignet ist das seit zwei Jahren von einem Mitarbeiter fachkundig angeleitete Kon­di­tionstraining. Es dient als Basis für das Erlernen komplexer Bewegungsab­läufe, wie sie beispiels­weise beim Boxen gefragt sind. Gerade diese Sportart zielt auf eine Stärkung des persönlich­keitsbildenden und Selbstwert fördernden Er­fahrungsfeldes. Diese zentralen Facetten des päda­gogisch-kulturell-sportlichen Angebotes verlieren wir nie aus dem Auge.

Das wöchentliche Training wird von Gärtner­meister Matthias Diderich geleitet.

100 Jahre im Dienst von jungen Menschen

Es werden in dieser Schrift die Motive der Grün­dung des Johannesstiftes, die der jeweiligen Epoche geschuldeten Aufbruchstimmungen, die scharfen Schnitte und Zeiten des Neubeginns und die neue Trägerstruktur als neues Dach beschrie­ben. Dabei wird erkennbar, dass sich einstellende Erfolge jeweils Hoffnungen weckten. Die Wirk­faktoren wurden zu allen Zeiten ermittelt und in geordneten Verfahren konzeptionell verarbeitet. Zur Sicherung der notwendigen Rahmenbedin­gungen wurde verbal zart, in der Sache aber hart mit den wechselnden Kostenträgern verhandelt. Dem als richtig erkannten Legitimationsdruck der Arbeit wird mit Per­sonal- und Organisationsent­wicklung begegnet. Ein EDV-gestütztes Qualitäts­managementsystem hilft, den Überblick über die im Alltag zu bewältigenden Regelungsbereiche zu behalten.

Zwischen Tradition und Moderne wurden von den Verantwortungsträgern häufig Dinge getan, die zunächst angstbesetzt waren, weil ihre Tragweite nicht immer bis zum Ende einschätzbar war. So prägte das ambitionierte Tätigkeitsfeld der „heil­pädagogischen Intensivbetreuung" ein Jahrzehnt, konnte aber wegen man­gelnder Finanzierungs­bereitschaft der öffentlichen Gewährleistungsträger nicht fortgeführt werden. Die mittlerweile neu aufgestellten Sozialpädagogischen Hilfen profitie­ren aber nachhaltig von den Erfahrungen in die­ser Ära. In der Schule ist das Experiment mit der möglichen Erlangung des Realschulabschlusses ebenso erfolgreich wie in der Beruflichen Bildung die sich in einer dynamischen Entwick­lung be­findlichen Qualifizierungsbemühungen.

Im Johannesstift läuft stets alles darauf hinaus, die Arbeit professioneller zu gestalten und immer bessere Ergebnisse zu erzielen. In identitätsstif-tenden internen Fortbildungsveranstaltungen macht sich die Dienstgemeinschaft fit für die Zu­kunft. Die erreichte Aufstellung in großer Breite ist nur mit mündigen Fach­kräften herzustellen. Der Solidarzusammenhang von Leistungserbringern und Leistungsempfängern wird gepflegt.

So wird es der Einrichtung gelingen, ohne Be­deutungsverlust auch in Zukunft eine Antwort auf die Nöte der Zeit zu geben!





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