100 Jahre
Johannesstift Wiesbaden
Sozialdienst katholischer Frauen

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Grußwort

Der Verein verdankt seine Entstehung dem Blick auf die Not der Zeit, vor allem der Erwägung, dass besonders in der Großstadt der weiblichen Ju­gend große Gefahren drohen. Er will vorbeugend wirken, vor dem Falle bewahren; er will heilend wirken, die Gefallenen wieder aufrichten. Schutz und Rettung sittlich gefähr­deter und gefallener Mädchen, Frauen und Kinder sowie der verwahr­losten Jugend ist sein satzungsgemäßer Zweck", heißt es in der zweiten Auflage eines Berichtes über die Wohlfahrtseinrichtungen, der 1914 im Auftrag des Magistrats der Stadt Wiesbaden zu­sammengestellt wurde. Und im Vorworteben die­ser amtlichen Zusammenstellung ist mit einigem Stolz zu lesen: „Die Schrift zeigt, dass die hiesigen Wohlfahrtseinrichtungen, wenn sie auch noch ei­nige Lücken aufweisen, doch den dringendsten Bedürfnissen in erfreulicherWeise Rechnung tragen und dass die Einwohnerschaft Wiesbadens wie auch die Stadt als solche bestrebt sind, ihren sozialen Pflichten gerecht zu werden."

Die Idee von Agnes Neuhaus, der Gründerin des Sozialdienstes katholischer Frauen, Not lei­denden Kindern, Frauen und Familien in beson­deren Lebenslagen hilfreich zur Seite zu stehen, hat bis heute Bestand. Sie wurde in Wiesbaden 1906 von Mathilde Großmann, Julie Matuschka-Greiffenklau und Anna Schipper aufge­nommen. Die drei Frauen gründeten mit dem Ziel, jungen, alleinstehenden Müttern eine Zuflucht zu geben, das noch heute bestehende „Jugendhilfezentrum Johan­nes­stift". Unter der laufenden Nummer 96 wurde der Fürsorgeverein am 30. April 1907 in das Vereinsregister der Landeshauptstadt Wies­baden eingetragen.

Laut Magistratsbericht wurde nur zwei Monate später bereits das Grundstück erworben, auf dem noch heute das Johannesstift seinen Sitz hat. Auch welche wichtige Rolle der Verein im Sozial­system der Stadt einnahm, ist dem amtlichen Pa­pier zu entnehmen: Vom Tage der Eröffnung des Hauses am 28. Oktober 1907 bis zum 31. De­zember 1913 wurden 345 Zöglinge und 225 Kin­der beherbergt und verpflegt, wobei ausdrücklich vermerkt wird, dass „das Betragen der Zöglinge von wenigen Ausnahmen abgesehen - ein Gutes ist". Und weiter bemerkt der Bericht­erstatter, dass, „auch wenn es bei der schweren Fürsorgearbeit nicht an Ent­täu­schungen fehle, so doch der gute Erfolg der selben zu opferfreudiger Weiterarbeit ermuntere ...".

Ohne Zweifel wurde die Schlusssequenz des Berichtes durch den Magistrat mit besonderem Wohlwollen aufgenommen. Heißt es doch dort: „Aus dem raschen Aufschwung, den der Für­sorgeverein und das dem selben verbundene Schutz­haus Johannesstift genommen, und aus den guten Erfolgen, die sie aufzuweisen haben, geht zur Genüge hervor, dass sie eine notwen­dige Einrichtung für unsere Stadt vorstellen und dass sie in der Zahl der Fürsorgeeinrichtungen eine wichtige Stelle einnehmen".

Wenn der Magistrat heute wieder einen Bericht über die sozialen Institutionen erstellen würde, könnte man ohne Frage die vor mehr als 90 Jah­ren verfasste Schlusspassage über das Johannes­stift übernehmen. Mit großem Engagement und sehrviel Sachverstand haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die Angebote der Einrichtung den Erfordernissen der heutigen Zeit angepasst und ausgebaut.

Die Segmente Berufsausbildung und Berufs­vorbereitung, die integrativen Erziehungshilfen und die Agnes-Neuhaus-Schule bieten bis zu 150 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine gute Möglichkeit, sich fit für das Leben und den beruflichen Alltag zu machen. Und dabei gilt nach wie vor der Grundsatz von Agnes Neuhaus: Es gibt keine hoffnungslosen Fälle.

Hildebrand Diehl
Oberbürgermeister

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Stand: 10.01.2013